- Grundstückswert ermitteln: die Kurzantwort
- Bodenrichtwert, Bodenwert und Verkehrswert
- Grundstückswert berechnen: Formel und Beispiel
- Bodenrichtwert über BORIS finden
- Welche Faktoren verändern den Wert?
- Bebaubarkeit und Entwicklungszustand
- Bebautes oder unbebautes Grundstück
- Welche Bewertungsverfahren gibt es?
- Grundstückswert bei Kauf und Finanzierung
- Wann reicht die eigene Berechnung nicht?
- Checkliste vor der Preisentscheidung
- Häufige Fragen
Grundstückswert ermitteln: Was ist die schnellste sinnvolle Methode?
Für eine erste Orientierung kannst du den aktuellen Bodenrichtwert der passenden Richtwertzone ermitteln und mit der Grundstücksfläche verknüpfen. Diese Rechnung liefert einen rechnerischen Bodenwert. Sie beantwortet aber noch nicht automatisch die Frage, welchen Preis ein konkretes Grundstück am Markt tatsächlich erzielt.
Der Grund: Ein Bodenrichtwert beschreibt nach § 196 BauGB einen durchschnittlichen Lagewert des Bodens innerhalb einer Zone. Das individuelle Grundstück kann davon abweichen – etwa wegen Größe, Zuschnitt, Entwicklungszustand, Nutzungsmöglichkeiten, Erschließung, Rechten, Belastungen oder besonderer Lageeigenschaften.
Bodenrichtwert, Bodenwert, Grundstückswert und Verkehrswert: Was ist der Unterschied?
Die Begriffe werden im Alltag oft vermischt. Für Kauf, Verkauf und Finanzierung ist die Trennung wichtig.
| Begriff | Was er beschreibt | Wofür er nützlich ist |
|---|---|---|
| Bodenrichtwert | Durchschnittlicher Lagewert des Bodens je Quadratmeter innerhalb einer Bodenrichtwertzone. | Erste regionale Orientierung und Ausgangsgröße für die Bodenwertermittlung. |
| Bodenwert | Wert des Bodens eines konkreten Grundstücks, grundsätzlich ohne Berücksichtigung vorhandener baulicher Anlagen. | Einordnung des reinen Grundstücksanteils. |
| Grundstückswert | Alltagssprachlich der Wert des konkreten Grundstücks; je nach Kontext kann damit nur der Boden oder das Grundstück einschließlich Bebauung gemeint sein. | Kaufpreisprüfung, Verkauf, Vermögensplanung. |
| Verkehrswert / Marktwert | Der nach § 194 BauGB im gewöhnlichen Geschäftsverkehr unter Berücksichtigung rechtlicher und tatsächlicher Eigenschaften erzielbare Wert. | Belastbare Bewertung für konkrete Entscheidungs- oder Nachweiszwecke. |
Wenn du einen Grundstückswert ermitteln willst, sollte deshalb zuerst klar sein, welchen Wert du eigentlich brauchst: eine schnelle Bodenwert-Orientierung, einen realistischen Angebotspreis oder einen formell belastbaren Verkehrswert.
Grundstückswert berechnen: Formel, Beispiel und Grenzen
Als einfache Überschlagsrechnung wird häufig folgende Formel verwendet:
Grundstücksfläche × Bodenrichtwert = rechnerischer Bodenwert.
Beispiel: Ein Grundstück hat 650 m². Für die passende Bodenrichtwertzone wird ein Richtwert von 420 €/m² ausgewiesen. Die einfache Rechnung ergibt:
Dieser Betrag ist eine Orientierung für den Bodenwert unter den getroffenen Annahmen – kein verbindlicher Verkaufspreis und kein automatischer Verkehrswert.
Die ImmoWertV sieht bei der Bodenwertermittlung vorrangig das Vergleichswertverfahren vor. Neben Vergleichspreisen kann ein objektspezifisch angepasster Bodenrichtwert verwendet werden. Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer groben Multiplikation und einer fachlich belastbaren Wertermittlung.
Bodenrichtwert finden: So nutzt du BORIS und die Landesportale

Die Bodenrichtwerte werden von den Gutachterausschüssen auf Grundlage der Kaufpreissammlungen ermittelt. § 196 BauGB verlangt ihre Veröffentlichung; Auskünfte können bei den zuständigen Stellen eingeholt werden.
- Bundesland und Portal bestimmen: BORIS-D bietet einen bundesweiten Einstieg zu Bodenrichtwertinformationen und verweist auf die Länderangebote.
- Grundstück suchen: Je nach Portal funktioniert die Suche über Adresse, Gemarkung, Flur und Flurstück.
- Richtwertzone öffnen: Prüfe den Wert pro Quadratmeter und den Stichtag.
- Merkmale des Bodenrichtwertgrundstücks lesen: Achte auf Nutzungsart, Entwicklungszustand und weitere veröffentlichte Merkmale.
- Mit deinem Grundstück vergleichen: Erst danach kannst du einschätzen, ob die reine Multiplikation plausibel ist oder Anpassungen nötig sind.
BORIS-D ist dabei vor allem ein Zugangspunkt. Amtliche Auskünfte und zusätzliche Daten bleiben Sache der jeweiligen Landesportale und zuständigen Gutachterausschüsse.
Welche Faktoren beeinflussen den Grundstückswert?
Ein Grundstück in derselben Richtwertzone muss nicht denselben individuellen Wert haben wie ein anderes. Besonders relevant sind:
- Mikrolage: Lärm, Aussicht, Ausrichtung, Nachbarschaft und Erreichbarkeit.
- Grundstücksgröße: Sehr große oder sehr kleine Flächen können anders marktgängig sein als das typische Richtwertgrundstück.
- Zuschnitt und Tiefe: Schmale, verwinkelte oder schwer nutzbare Grundstücke können die Bebaubarkeit einschränken.
- Erschließung: Straßenanbindung sowie Wasser, Abwasser, Strom und weitere Anschlüsse.
- Nutzungsmöglichkeiten: Art und Maß der baulichen Nutzung, mögliche Geschossfläche und sonstige planungsrechtliche Vorgaben.
- Rechte und Belastungen: Zum Beispiel Wegerechte, Leitungsrechte oder andere grundstücksbezogene Belastungen.
- Altlasten und Bodenbeschaffenheit: Sie können zusätzliche Kosten oder Nutzungseinschränkungen verursachen.
- Marktsituation: Nachfrage und tatsächlich erzielte Vergleichspreise beeinflussen den realisierbaren Preis.
Bebaubarkeit und Entwicklungszustand: Warum sie den Wert stark verändern können
Für Käufer ist nicht nur entscheidend, wo ein Grundstück liegt, sondern auch, was darauf rechtlich und praktisch möglich ist. Baureifes Land, Rohbauland, Bauerwartungsland oder andere Entwicklungszustände sind wirtschaftlich nicht gleichzusetzen.
Prüfe deshalb vor einer Preisentscheidung insbesondere Bebauungsplan, zulässige Nutzung, Erschließung und – wenn die Bebaubarkeit unklar ist – ob eine Bauvoranfrage sinnvoll sein kann. Ein hoher Bodenrichtwert bedeutet nicht automatisch, dass jedes Grundstück in der Zone dieselbe Bebauungsqualität besitzt.
Grundstückswert bei bebauten und unbebauten Grundstücken

Bei einem unbebauten Grundstück steht der Bodenwert besonders im Mittelpunkt. Bei einem bebauten Grundstück ist dagegen wichtig, ob du nur den Bodenwert oder den Wert der gesamten Immobilie ermitteln möchtest.
§ 196 BauGB stellt klar, dass Bodenrichtwerte in bebauten Gebieten so zu ermitteln sind, als wäre der Boden unbebaut. Das bedeutet: Der Bodenrichtwert enthält nicht einfach den Wert eines vorhandenen Hauses.
| Situation | Worauf du schauen solltest | Typischer Denkfehler |
|---|---|---|
| Unbebautes Baugrundstück | Bodenrichtwert, Vergleichspreise, Bebaubarkeit, Erschließung, Zuschnitt. | Bodenrichtwert automatisch mit Angebotspreis gleichsetzen. |
| Bebautes Grundstück | Bodenwert plus Wert beziehungsweise Einfluss der vorhandenen baulichen Anlagen. | Den Hauswert im Bodenrichtwert vermuten. |
| Grundstück mit Abrissobjekt | Bodenwert, rechtliche Nutzbarkeit, Abriss- und Freilegungssituation. | Ein altes Gebäude automatisch als Wertzuwachs ansetzen. |
Grundstück bewerten: Welche Verfahren sieht die ImmoWertV vor?
Die ImmoWertV nennt als grundlegende Verfahren das Vergleichswert-, Ertragswert- und Sachwertverfahren. Welches Verfahren geeignet ist, hängt von der Art des Wertermittlungsobjekts, den Marktgepflogenheiten und den verfügbaren Daten ab.
Vergleichswertverfahren
Für die Bodenwertermittlung ist das Vergleichswertverfahren besonders wichtig. Geeignete Kaufpreise vergleichbarer Grundstücke oder ein objektspezifisch angepasster Bodenrichtwert können als Grundlage dienen.
Sachwertverfahren
Bei bestimmten bebauten Grundstücken kann der Sachwert relevant sein. Dabei fließen unter anderem die baulichen Anlagen und der separat ermittelte Bodenwert ein.
Ertragswertverfahren
Bei ertragsorientierten Immobilien stehen nachhaltig erzielbare Erträge im Mittelpunkt. Auch hier ist der Bodenwert ein Bestandteil der Gesamtbetrachtung.
Für eine private Erstorientierung musst du diese Verfahren nicht selbst vollständig nachbauen. Entscheidend ist zu wissen, dass eine professionelle Bewertung deutlich mehr umfasst als die Formel „Bodenrichtwert × Fläche“.
Grundstückswert ermitteln vor Kauf und Baufinanzierung

Wenn du ein Grundstück kaufen möchtest, hilft eine eigene Wertorientierung dabei, Angebotspreis und Finanzierungsbedarf plausibler einzuordnen. Beginne nicht erst mit dem Kreditvergleich, wenn der Kaufpreis schon feststeht.
- Grundstück und Richtwertzone identifizieren.
- Bodenrichtwert und Stichtag prüfen.
- Fläche sowie Bebaubarkeit und Erschließung kontrollieren.
- Rechte, Belastungen und mögliche Zusatzkosten prüfen.
- Eigenen Orientierungswert mit dem Angebotspreis vergleichen.
- Gesamtbudget einschließlich Kaufnebenkosten festlegen.
- Erst dann passende Finanzierungsszenarien rechnen und Angebote vergleichen.
Wie du den Finanzierungsprozess strukturierst, erklären wir im Ratgeber Baufinanzierung Schritt für Schritt. Wenn du mehrere Kreditangebote hast, zeigt dir unser Baufinanzierung Kredit Vergleich, welche Konditionen du unter gleichen Annahmen gegenüberstellen solltest.
Warum deine Grundstücksschätzung nicht automatisch der Bankwert ist
Deine eigene Berechnung kann die Kaufentscheidung verbessern, ersetzt aber nicht die Objektbewertung des Darlehensgebers. Banken und Finanzierungspartner prüfen die Immobilie beziehungsweise das Grundstück nach ihren eigenen Verfahren und benötigen dafür Objekt- und Finanzierungsunterlagen.
Bei einer bereits finanzierten Immobilie kann derselbe Wert auch für zusätzlichen Finanzierungsspielraum relevant werden. Dann kommen Restschuld und Grundschuldrang hinzu; mehr dazu unter Nachbeleihung eines nicht abbezahlten Hauses.
Wenn du den Prozess digital vorbereiten möchtest, findest du in unserem Ratgeber zur Immobilienfinanzierung online die typischen Schritte von der ersten Dateneingabe bis zur Prüfung der Unterlagen.
Wann reicht es nicht, den Grundstückswert selbst zu berechnen?
Eine Überschlagsrechnung reicht häufig aus, wenn du nur eine erste Größenordnung suchst. Mehr Sicherheit kann nötig sein, wenn der Wert wirtschaftlich oder rechtlich besonders wichtig ist.
Geht es um einen Verkauf, ist neben dem Marktwert auch die steuerliche Seite zu prüfen. Unser Ratgeber Steuer beim Immobilienverkauf erklärt insbesondere § 23 EStG, Eigennutzung und die Zehnjahresfrist.
- Verkauf mit hoher Preissensibilität oder ungewöhnlichem Grundstück.
- Erbschaft, Scheidung oder Auseinandersetzung zwischen mehreren Beteiligten.
- Gerichtliche oder behördliche Verfahren.
- Unklare Bebaubarkeit, erhebliche Rechte oder Belastungen.
- Altlasten, schwierige Bodenverhältnisse oder besondere Entwicklungszustände.
- Große Abweichung zwischen Angebotspreis, Bodenwert-Orientierung und Vergleichsmarkt.
Nach § 193 BauGB können die Gutachterausschüsse unter bestimmten Voraussetzungen Gutachten über den Verkehrswert bebauter und unbebauter Grundstücke erstellen. Daneben kommen je nach Anlass qualifizierte Sachverständige infrage.
Checkliste: Grundstückswert vor Kauf oder Verkauf plausibilisieren

| Prüfpunkt | Frage | Warum wichtig? |
|---|---|---|
| Bodenrichtwert | Passt Zone, Stichtag und Nutzungsart? | Falsche Richtwertdaten verzerren jede weitere Rechnung. |
| Fläche | Ist die Grundstücksgröße aus verlässlichen Unterlagen übernommen? | Die Fläche ist direkte Bezugsgröße der Überschlagsrechnung. |
| Bebaubarkeit | Was darf tatsächlich gebaut werden? | Nutzbarkeit beeinflusst Nachfrage und wirtschaftlichen Wert. |
| Erschließung | Welche Anschlüsse und Beiträge sind bereits geklärt? | Offene Erschließung kann zusätzliche Kosten verursachen. |
| Rechte / Belastungen | Gibt es Wegerechte, Leitungsrechte oder andere Einschränkungen? | Sie können die Nutzung und damit den Wert beeinflussen. |
| Vergleichsmarkt | Welche ähnlichen Grundstücke wurden beziehungsweise werden angeboten? | Der Marktpreis kann vom einfachen Bodenwert abweichen. |
| Finanzierung | Passt der Preis zum Gesamtbudget einschließlich Nebenkosten? | Ein „guter“ Grundstückspreis ist nur tragfähig, wenn die Gesamtfinanzierung passt. |
Fazit: Grundstückswert ermitteln heißt mehr als Bodenrichtwert mal Fläche
Wer den Grundstückswert ermitteln möchte, kann mit Bodenrichtwert und Fläche schnell eine erste Größenordnung berechnen. Der entscheidende Schritt kommt danach: Prüfe, ob das konkrete Grundstück in Lage, Nutzung, Größe, Zuschnitt, Erschließung und rechtlicher Situation dem Bodenrichtwertgrundstück tatsächlich entspricht.
Für eine Kaufentscheidung solltest du den Orientierungswert anschließend mit dem Angebotspreis, möglichen Zusatzkosten und deinem Finanzierungsbudget verbinden. So wird aus einer einzelnen Zahl eine belastbare Entscheidungsgrundlage – ohne eine grobe Rechnung mit einem offiziellen Verkehrswert zu verwechseln.
Eine belastbare Wertermittlung ist auch beim privaten Verkauf wichtig. Wenn Sie anschließend ohne Vermittler verkaufen möchten, zeigt der Leitfaden Immobilie ohne Makler verkaufen, wie Preisfindung, Unterlagen und Kaufabwicklung zusammenhängen.
Weitere praktische Fragen zum Thema
Welche Rolle spielt der Grundstückswert bei der Baufinanzierung? Der Grundstücks- beziehungsweise Objektwert ist für die Planung einer Finanzierung relevant. Die konkrete Bewertung für die Kreditentscheidung nimmt der jeweilige Darlehensgeber nach seinen Verfahren vor; ein eigener Überschlagswert ersetzt diese Prüfung nicht.
Wann brauche ich ein Verkehrswertgutachten? Ein Gutachten kann sinnvoll oder erforderlich sein, wenn ein belastbarer Wert für Verkauf, Erbauseinandersetzung, Scheidung, gerichtliche oder andere formelle Zwecke benötigt wird. Welche Nachweisform passt, hängt vom konkreten Anlass ab.
Häufige Fragen zum Grundstückswert
Die wichtigsten Antworten zu Bodenrichtwert, Bodenwert, BORIS, Verkehrswert und Baufinanzierung.
Wie kann ich den Grundstückswert selbst ermitteln?
Für eine erste Orientierung kannst du die Grundstücksfläche mit einem geeigneten beziehungsweise objektspezifisch angepassten Bodenrichtwert multiplizieren. Das Ergebnis ist ein rechnerischer Bodenwert, nicht automatisch der Verkehrswert oder der tatsächlich erzielbare Kaufpreis.
Ist Bodenrichtwert mal Grundstücksfläche gleich Grundstückswert?
Die Multiplikation liefert eine erste Bodenwert-Orientierung. Der individuelle Wert kann wegen Lage, Zuschnitt, Erschließung, Nutzbarkeit, Rechten, Belastungen oder anderer Grundstücksmerkmale abweichen.
Wo finde ich den Bodenrichtwert für mein Grundstück?
Bodenrichtwerte werden von den Gutachterausschüssen ermittelt und veröffentlicht. BORIS-D dient als bundesweiter Einstieg; amtliche Auskünfte und zusätzliche Daten erhältst du je nach Bundesland über das jeweilige Landesportal oder den zuständigen Gutachterausschuss.
Was ist der Unterschied zwischen Bodenrichtwert, Bodenwert und Verkehrswert?
Der Bodenrichtwert ist ein durchschnittlicher Lagewert je Quadratmeter innerhalb einer Bodenrichtwertzone. Der Bodenwert bezieht sich auf den Boden des konkreten Grundstücks. Der Verkehrswert beziehungsweise Marktwert beschreibt den im gewöhnlichen Geschäftsverkehr voraussichtlich erzielbaren Wert unter Berücksichtigung der rechtlichen und tatsächlichen Eigenschaften.
Welche Faktoren beeinflussen den Wert eines Grundstücks?
Wichtig sind unter anderem Lage, Entwicklungszustand, Art und Maß der baulichen Nutzung, Grundstücksgröße und -zuschnitt, Erschließung, Rechte und Belastungen sowie besondere objektspezifische Merkmale.
Kann ich den Grundstückswert kostenlos ermitteln?
Eine erste Orientierung ist häufig kostenlos möglich, etwa über veröffentlichte Bodenrichtwerte und eine eigene Überschlagsrechnung. Für eine belastbare Bewertung oder amtliche Auskunft können je nach Anlass und Stelle Kosten entstehen.
Für eine eigene Plausibilitätsprüfung solltest du den Bodenrichtwert nicht isoliert betrachten. Prüfe zusätzlich Grundstücksgröße, Zuschnitt, Erschließung, Bebaubarkeit, Lage innerhalb der Richtwertzone und mögliche Belastungen. Zwei Grundstücke in derselben Zone können deshalb trotz identischem Richtwert einen deutlich unterschiedlichen Marktwert haben.
Wenn du den Wert für einen Kauf einschätzt, arbeite mit einer Bandbreite statt mit einem einzigen vermeintlich exakten Betrag. Vergleiche ähnliche Angebote und tatsächlich bekannte Transaktionen, soweit verfügbar, und notiere, welche Unterschiede den Preis erklären könnten. Eine Bandbreite ist für Verhandlungen oft realistischer als eine Scheingenauigkeit auf den Euro.
Bei einer Finanzierung zählt außerdem, welchen Wert die Bank oder der Gutachter für die Beleihung ansetzt. Dieser Wert kann von deiner eigenen Marktpreiseinschätzung abweichen. Plane daher Eigenkapital nicht so knapp, dass bereits eine vorsichtigere Bewertung den gesamten Finanzierungsplan gefährdet.
Vor einem Kauf solltest du auch Unterlagen prüfen, die den Wert mittelbar beeinflussen können: Bebauungsplan, Baulasten, Grundbuchinformationen, Erschließungsstand und Hinweise auf Altlasten. Nicht jede Besonderheit senkt automatisch den Wert, aber sie kann die Nutzung einschränken und damit für einen Käufer wirtschaftlich relevant sein.
Wenn das Grundstück geteilt, erweitert oder anders genutzt werden könnte, bewerte diese Möglichkeit nicht ohne baurechtliche Prüfung als sicheren Mehrwert. Eine theoretisch attraktive Nutzung kann an Abstandsflächen, Erschließung oder Planungsvorgaben scheitern. Für eine Kaufentscheidung sollten Chancen und bereits gesicherte Rechte klar getrennt werden.
Bei sehr ungewöhnlichen Grundstücken kann ein professionelles Gutachten sinnvoller sein als viele Online-Schätzungen. Dazu zählen besondere Zuschnitte, große Flächen, starke Hanglage, Rechte Dritter oder eine schwer vergleichbare Lage. Je größer die finanzielle Entscheidung, desto wichtiger ist eine belastbare Bewertungsgrundlage.
Dokumentiere bei deiner eigenen Schätzung, welche Quelle und welches Datum du verwendet hast. Bodenrichtwerte und Marktangebote verändern sich. Eine gespeicherte Berechnung mit Annahmen ist später nachvollziehbarer als nur ein einzelner Wert ohne Herkunft.
Wenn der Grundstückswert in eine Baufinanzierung eingeht, addiere nicht automatisch geplante Baukosten und geschätzten Bodenwert zu einem sicheren zukünftigen Marktwert. Die Bank bewertet das Gesamtprojekt nach eigenen Kriterien. Halte deshalb ausreichend Eigenkapital- und Kostenpuffer für Abweichungen bereit.
Für Verkaufsverhandlungen ist es sinnvoll, zwischen einem nachvollziehbaren Orientierungswert und dem tatsächlich erzielbaren Preis zu unterscheiden. Der Marktpreis entsteht erst aus Angebot, Nachfrage und den konkreten Eigenschaften des Grundstücks. Eine gute Bewertung liefert deshalb Argumente und eine realistische Spanne, aber keine Garantie für den späteren Verkaufspreis.
Wenn auf dem Grundstück bereits Gebäude stehen, muss der Bodenwert von der Bewertung der Bebauung getrennt werden. Ein hoher Grundstückswert bedeutet nicht automatisch einen ebenso hohen Gesamtwert, wenn Gebäude stark sanierungsbedürftig sind oder die vorhandene Nutzung nicht optimal zum Grundstück passt.
Bei einem geplanten Neubau sollte der Grundstückspreis zudem im Verhältnis zum gesamten Projektbudget betrachtet werden. Je mehr Eigenkapital bereits in den Boden fließt, desto weniger steht für Baukosten, Nebenkosten und Reserven zur Verfügung. Eine Finanzierung sollte deshalb Grundstück und Bau als zusammenhängendes Projekt abbilden.
Prüfe bei Erschließungskosten, ob bereits alles abgerechnet ist oder noch Beiträge entstehen können. Offene Erschließungs- oder Anschlusskosten verändern den effektiven Kaufpreis und sollten in der Budgetplanung nicht erst nach Vertragsabschluss auftauchen.
Bei einem Verkauf kann außerdem die Zielgruppe den realistischen Preis beeinflussen. Ein großes Grundstück kann für einen Bauträger interessant sein, während private Käufer eher auf Garten, Bebauung und laufende Kosten achten. Überlege deshalb, welche Nutzung tatsächlich zulässig und für potenzielle Käufer attraktiv ist, bevor du aus der reinen Fläche einen hohen Wert ableitest.
Wenn du den Wert für eine Beleihung oder Vermögensübersicht brauchst, dokumentiere klar, ob es sich um Bodenrichtwert, eigene Marktschätzung oder professionellen Verkehrswert handelt. Diese Begriffe sind nicht austauschbar und sollten in Gesprächen mit Bank, Käufer oder Berater eindeutig verwendet werden.
Bei Preisverhandlungen hilft es, jede Abweichung vom Richtwert begründen zu können. Notiere positive und negative Eigenschaften getrennt und ordne sie nach ihrer tatsächlichen Bedeutung für Nutzung und Bebaubarkeit. So entsteht eine nachvollziehbare Argumentation statt einer bloßen Preisvorstellung.
Eine sorgfältige Wertermittlung soll Unsicherheit reduzieren, nicht eine exakte Zahl vortäuschen.
Wenn mehrere Bewertungsansätze zu ähnlichen Größenordnungen führen, steigt die Plausibilität der eigenen Einschätzung. Größere Abweichungen sollten dagegen Anlass sein, Annahmen und Unterlagen noch einmal zu prüfen.
Im Zweifel ist eine fachliche Bewertung sinnvoll.
So bleibt die Entscheidung nachvollziehbar und belastbar.
Eine klare Dokumentation hilft auch bei späteren Rückfragen und Vergleichen.



